Flötist Erik Bosgraaf trifft auf Jazzer Lajos Dudas
Flötist Erik Bosgraaf trifft auf Jazzer Lajos Dudas

Flötist Erik Bosgraaf trifft auf Jazzer Lajos Dudas

Lesen Sie den Bericht von Hansgeorg Marzinkowski aus der NGZ

Flötist Erik Bosgraaf trifft auf Jazzer Lajos Dudas

Zwei Weltstars waren beim Flötenkonzert zu Gast – einer davon nicht so ganz geplant. Der Niederländer Erik Bosgraaf, der zum weltweit prominenten Kreis der profiliertesten Blockflötenvirtuosen zählt, war von der Musikschule frühzeitig angekündigt worden, Lajos Dudas kam eher überraschend.

Zu den Abenteuerlichsten gehört Bosgraaf allemal. Was man mit dem Instrument „Blockflöte“ so alles anstellen kann, erzählte er am Vormittag 190 Kindern aus acht Klassen verschiedener Grundschulen. Und haargenau dasselbe Programm wiederholte er am Abend in einem Konzert im Pauline-Sels-Saal des Romaneum, zu dem gut 80 Zuhörer erschienen waren, darunter ebenfalls viele Kinder.

Der Blockflötist und Musikwissenschaftler ist Professor am Conservatorium van Amsterdam und an der Musikakademie in Krakau (Polen). Seine Improvisation auf einer Renaissance-Blockflöte richtete sich sogleich an die Kinder im Publikum, denn sie umgarnte „Alle meine Entchen“, allerdings gut versteckt. „Engels Nachtegaeltje“, eine Vogelstimmenimitation des niederländischen Komponisten Jacob van Eyck aus dem 17. Jahrhundert, geriet unter dem atemberaubenden Spiel Bosgraafs auf einer Sopraninoflöte mit einer großen Portion Esprit fast witzig. Auch „Gesti“, das Luciano Berio für den legendären Blockflötisten Frans Brüggen (1934 – 2014) – der Niederländer machte die Blockflöte als Konzertinstrument wieder salonfähig – schrieb, verlieh Erik Bosgraaf auch mit Körperbewegung und Mimik eine Farbe, die Kinder lachen ließ.

Der zweite Weltstar, den Musikschulleiter Holger Müller begrüßen konnte, hatte speziell für dieses Konzert zwei neue Stücke geschrieben und war zur Uraufführung in Neuss aus Überlingen am Bodensee herbeigeeilt: Lajos Dudas (78). Der Jazz-Klarinettist und Komponist war mehr als drei Jahrzehnte (bis 2004) Dozent für Klarinette und Saxophon an der Musikschule.

Seine beiden neuen Stücke interpretierten Erik Bosgraaf (Altblockflöte) und Dagmar Wilgo (Sopran), dabei die groovige Arie „Tosca in Ragtime“. Auch die Zugabe „Keep Swinging Sisters“ stammte von Lajos Dudas. Beide Interpreten hatten den rhythmisch fließenden Jazz verinnerlicht. 

Zwei Performances sollten vor allem Kinder interessieren: „Wieviel Altblockflöten ist Erik groß?“ Da ein Instrument exakt 47 cm lang ist, ergaben vier das Körpermaß von Erik Bosgraaf. Aber stattdessen hätte man dann doch lieber Musik der beiden Weltstars gehört, etwa Auszüge aus „Domaines“, das Pierre Boulez 1968 für Klarinette solo schrieb und für dessen Bearbeitung für Blockflöte solo Erik Bosgraaf die ausdrückliche Genehmigung des Komponisten erhielt.